Immer wieder beschäftigt mich die Frage nach dem entscheidenden Erfolgsfaktor, welcher für die Zufriedenheit von Mitarbeiter:innen und für den Erfolg eines Unternehmens ausschlaggebend ist. Wie du möglicherweise weißt, bin ich als systemische Coach, Teamentwicklerin und Trainerin für Führungskräfte tätig. Bevor ich einen Auftrag annehme, beschäftige ich mich intensiv mit dem Unternehmen, der Branche, den Werten – also die, die auf der Website stehen – und mit den möglichen Herausforderungen, vor denen das jeweilige Unternehmen stehen könnte. Immer wieder begegnen mir dabei tolle Websites, auf denen geschrieben steht, welch großartige Werte gelebt werden und wie toll die Unternehmenskultur doch ist. Doch das, was da so alles steht, ist meistens nicht drin. Hinter den Kulissen trifft man auf Menschen, die unterschiedlichste Hintergründe mitbringen und entsprechend verschiedenste Werte leben. Wenn ich vor einer neuen Gruppe von Führungskräften stehe und ich nach der Kultur, den Werten und dem Leitbild frage, blicke ich meist in fragende Gesichter.
So oder so ähnliche Dialoge entstehen in den meisten Fällen – es sei denn, es gab im Unternehmen dazu erst kürzlich eine Veränderung, die kommuniziert wurde. Worauf ich hinaus möchte? Es bringt nichts, im stillen Kämmerlein mit ein paar auserwählten Führungskräften, eine tolle Unternehmenskultur auszuarbeiten. Denn eine Unternehmenskultur sollte gelebt werden, dass sie zum entscheidenden Erfolgsfaktor wird. Das was auf der Website geschrieben steht, sollte sich auch hinter den Kulissen zeigen – denn das macht Unternehmen glaubwürdig & authentisch.
Doch was ist sie überhaupt, diese Unternehmenskultur?
Die wohl kürzeste Definition lautet „This is how we do things around here” und stammt von zwei Wissenschaftlern namens Bright und Parkin. Und das trifft es ganz gut auf den Punkt. Unternehmenskulturen beziehen sich auf gemeinsame Werte, Praktiken und Überzeugungen, die das Verhalten sowie die Einstellungen von Mitarbeiter:innen an ihrem Arbeitsplatz prägt. Unternehmenskulturen sind nicht wirklich fassbar, sondern sind ein Zusammenspiel aus sichtbaren und unsichtbaren Faktoren.
Das Kulturebenen-Modell von Edgar Schein ordnet die Faktoren der Unternehmenskultur anhand ihrer Sichtbarkeit in drei Ebenen:
Um das Ganze etwas weniger abstrakt darzustellen, möchte ich dazu gerne ein Beispiel aus meiner beruflichen Vita geben: ich habe mal für ein Unternehmen gearbeitet, was sehr viel für sein gutes Image tut und mit einer modernen Unternehmenskultur und New Work wirbt. Doch hinter den Kulissen sah es leider ganz anders aus. Micro-Management, verkrustete Strukturen, Führungskräfte, die autoritär führten, kein Vertrauen, Kontrolle, und Aussagen wie „der Ober sticht den Unter“ – die von wenig Wertschätzung geprägt sind – waren an der Tagesordnung. Führungskräfte unterstellten ihren Mitarbeiter:innen, dass diese Montag und Freitag Home-Office machen, um ein langes Wochenende zu haben und in dieser Zeit nicht arbeiteten. Also wurde kurzer Prozess gemacht und Montag und Freitag Home-Office untersagt. Man wunderte sich, dass Mitarbeiter:innen immer unzufriedener wurden und Krankheitstage anstiegen. Die Folge dieser Kultur waren Schuldzuweisungen, Misstrauen, Intrigen, eine passiv-aggressive Kommunikation, kein Wir-Gefühl, fehlende Motivation und letztlich haben die guten Mitarbeiter:innen das Unternehmen verlassen.
Was ich mit diesem konkreten Beispiel sagen möchte: werbt nicht mit New Work und einer modernen Unternehmenskultur, wenn es diese nicht wirklich gibt. Das sorgt für Frust auf beiden Seiten.
Eine positive – und authentische – Unternehmenskultur hingegen kann wahre Wunder bewirken: Mitarbeiter:innen sind motiviert, fühlen sich wertgeschätzt und sehen Sinn in dem, was sie tun. Das zeigt sich in einer geringeren Fluktuations- und Krankheitsquote, steigenden Bewerbungseingängen, besseren Ergebnissen in Mitarbeiter:innen-Befragungen, uvm.
Was könnt ihr also konkret tun, um eure Unternehmenskultur zu verbessern?
Und für absolut unerlässlich halte ich es, dass jede Führungskraft den eigenen Führungsstil analysiert und gegebenenfalls verändert. Dabei können u.a. 360° Feedbacks & Coaching hilfreiche Tools sein. Denn, wir ihr sicherlich zu genüge gehört habt, haben Führungskräfte einen immensen Einfluss auf die Gesundheit und Zufriedenheit ihrer Mitarbeiter:innen.
Zusammenfassend komme ich zu dem Fazit, dass die Unternehmenskultur sehr wohl ein – wenn nicht sogar der – entscheidende Erfolgsfaktor in der heutigen Zeit ist. Sie steht im direkten Zusammenhang mit der Produktivität und dem Gewinn eines Unternehmens, sowie der Zufriedenheit der Mitarbeiter:innen.
Daher gibt es zum Schluss meines heutigen Beitrags noch einen kleinen Appell:
Liebe Unternehmer, ihr arbeitet mit Menschen. Diese Menschen sind euer höchstes Gut und das Wichtigste, das ihr habt. Kommuniziert mit ihnen. Sprecht mit ihnen über ihre Werte, über ihre Motive und darüber, was ihnen Sinn gibt. Und darauf aufbauend entwickelt gemeinsam eine Unternehmenskultur, die ihr auch wirklich lebt. Das macht euch attraktiv. Das macht euch erfolgreich. Und das bindet Mitarbeiter:innen in Zeiten von New Work. Davon bin ich überzeugt.
In diesem Sinne, Veränderung darf sich leicht anfühlen – ich freue mich über einen Austausch zu meinem Beitrag.