Mentale Gesundheit muss endlich entstigmatisiert werden

Sprichst du nur davon oder tust du wirklich etwas dafür, mentale Gesundheit in unserer Arbeitswelt zu entstigmatisieren? 

  • Ja diese Frage ist durchaus etwas provokativ, aber aus meiner Perspektive durchaus angebracht. In meiner Arbeit mit Führungskräften, Teams und Mitarbeiter:innen wird mir immer wieder vor Augen geführt, dass Mentale Gesundheit jeden etwas angeht und jeden treffen kann. 

Wir rennen in unserer Leistungsgesellschaft wie Gejagte immer schneller in unserem Hamsterrad und feuern uns sogar noch gegenseitig an. Erst heute hat eine Führungskraft zu mir gesagt, „Weißt du, neulich habe ich mich einem Kollegen geöffnet und gesagt, dass ich echt gestresst bin“ und als Antwort kam, „Wir sind doch alle gestresst, das ist doch normal“. Also weiter gehts, wieder hinein ins Hamsterrad, denn die Anderen rennen ja auch. Höher, schneller, weiter. 

Doch was passiert, wenn wir unsere Bedürfnisse, Warnsignale und Stressreaktionen permanent übergehen, ignorieren und nicht als ernst einstufen: entweder geraten wir in einen sogenannten Burn On Zustand. Ein Begriff, denn die Psychologen Bert te Wildt und Timo Schiele 2021 zum ersten Mal geprägt haben. In einem sogenannten Burn-On-Zustand funktionieren wir einfach nur noch, brennen nicht aus, aber brennen weiter. Wir sind ständig unter Anspannung und Stress. Oder wir brennen tatsächlich aus und landen in einem Burnout. 

Und das sind nur zwei von unzähligen Folgen, die die unausweichliche Konsequenz von dauerhaftem Stress und permanenter Überlastung sind. 

Was kannst du als Führungskraft also tun, um wirklich etwas zu tun, mentale Gesundheit ernst zu nehmen und zu einer Entstigmatisierung beizutragen? 

  • Nimm dich und deine Bedürfnisse ernst, setze Grenzen und mache Pausen. Denn du lebst es deinem Team vor, ob du willst oder nicht. Du bist schließlich die Führungskraft.
  • Zeig Vulnerabilität - denn nur dann entsteht ein Gefühl von emotionaler Sicherheit und andere öffnen sich dir. Dadurch entsteht wiederum Verbindung und Zusammenalt.
  • Rede nicht nur darüber, dass mentale Gesundheit wichtig ist, sondern tue etwas dafür: lebe es vor und nimm deine eigene mentale Gesundheit ernst, nicht nur im beruflichen Kontext.
  • Schafft Angebote in eurem Unternehmen, die es Menschen ermöglichen, Hilfe und Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Mit einem Obstkorb ist es leider nicht getan. (Nichts gegen den Obstkorb, aber ich glaube, ihr wisst, was ich meine?)
  • Mentale Gesundheit ist auch Führungsaufgabe: sprich regelmäßig mit deinen Mitarbeiter:innen. Dann fällt es dir leichter, Veränderungen wahrzunehmen.
  • ... und nein, du sollst kein Therapeut sein. Aber es ist deine Fürsorgepflicht, das Thema ernst zu nehmen.

In diesem Sinne, lasst uns gemeinsam dazu beitragen, mentale Gesundheit zu entstigmatisieren und sich nicht dafür zu schämen, offen darüber zu sprechen. 

  • Was macht ihr bereits für eure eigene, aber auch die mentale Gesundheit eurer Mitarbeitenden? 

Und zum Abschluss meines heutigen Beitrags möchte ich noch erwähnen, dass durch schlechte Führung Stress steigt und die Bindung sinkt. Das heißt im Umkehrschluss, dass Führungskräfte sehr wohl einen direkten Einfluss auf die mentale Gesundheit ihrer Mitarbeiter:innen haben. Das ist im Übrigen auch einer der Gründe, warum ich tue, was ich tue. In meinen Führungskräfte Trainings und Keynotes geht es u.a. exakt darum, was ihr tun könnt, um Stress zu vermeiden und die Bindung zu steigern.

 

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