Vertraust du schon oder misstraust du noch?

In meinem heutigen Impuls dreht sich alles um Vertrauen.

Häufig stelle ich in meinen Führungskräfte Trainings die Frage, "wie steht ihr zu der Aussage, dass man sich Vertrauen erstmal verdienen muss?" Meist entsteht dann eine bunte Diskussion mit unterschiedlichen Meinungen. Ich persönlich halte nichts davon, dass ich zunächst etwas leisten muss, um Vertrauen zu verdienen. Aus meiner Erfahrung heraus ist Vertrauen ein absolutes Must-have in einem guten menschlichen Miteinander - sei es im privaten oder beruflichen Kontext. Denn ohne Vertrauen können wir keine stabilen Beziehungen aufbauen. Und das ist es doch, was im Kontext von New Work und New Leadership so wichtig ist. Denn wenn ich eine Kultur auf gegenseitigem Vertrauen aufbaue, dann entsteht psychologische Sicherheit. Und das ist es, was laut der Google Studie Aristotle schon vor Jahren ein wesentlicher Erfolgsfaktor für gute Zusammenarbeit darstellt. I

Vertrauen bildet also eine wichtige Säule im menschlichen Miteinander. Außerdem ist das Vertrauen, welches wir uns selbst gegenüber empfinden, ein ebenso wichtiger Faktor in diesem psychologisch sehr komplexen und spannenden Themenfeld.

Vorab möchte ich dir gerne ein paar Fragen stellen, um einen guten Einstieg ins Thema zu finden:

  • Auf einer Skala von 1-10, wie sehr vertraust du dir selbst?
  • Bist du deinen Mitmenschen gegenüber eher misstrauisch oder vertraust du schnell?
  • Was bedeutet Vertrauen für dich im Allgemeinen?
  • Und was bedeutet Vertrauen für dich im privaten und beruflichen Kontext?

Ich bin gespannt auf deine Erkenntnisse. Bevor ich dazu komme, was du tun kannst, um das Vertrauen in dich selbst und in Folge auch in deine Mitmenschen zu stärken, möchte ich etwas tiefer in den Begriff und die Definition des Vertrauens einsteigen.
Es gibt in der psychologischen Literatur mittlerweile sehr vielfältige Zugänge, je nach Menschenbild, Schwerpunktsetzung, sowie der Differenzierung zwischen Vertrauen als Persönlichkeits-, Beziehungs-, Prozess- oder Situationsvariable.

Und dennoch lassen sich bei all diesen Definitionen einige Gemeinsamkeiten feststellen:

  • Vertrauen ist zukunftsbezogen, beruht jedoch auf gemachten Erfahrungen in der Vergangenheit. Genau die gemachten Erfahrungen in der Vergangenheit sind es dann auch, warum in meinen Trainings eine Diskussion entfacht, wenn ich die eingangs erwähnte Frage stelle, ob man sich Vertrauen erstmal verdienen muss.
  • Vertrauen hat mit dem Verhalten des anderen zu tun (selbst, wenn wir uns selbst nicht oder nur eingeschränkt vertrauen, hat es etwas mit der Kindheit und anderen Personen zu tun).
  • Vertrauen beinhaltet die Bereitschaft, sich verletzlich zu machen, da Kontrolle abgegeben wird.
  • Vertrauen ist ein Zustand zwischen Wissen und Nicht Wissen.
  • Vertrauen erfordert ein gewisses Risiko (damit umzugehen, wenn das Vertrauen enttäuscht wird).

Vertrauen ist für mich ein erlerntes Verhalten, welches meist bis in die frühe Kindheit zurückreicht. Es geht immer um die beiden Teile des Ganzen: Selbstvertrauen und Fremdvertrauen. In einem Buch habe ich mal zum Thema Vertrauen gelesen, dass Vertrauen eine erlernte Entscheidung ist. Das habe ich für mich abgespeichert, da es das ganz gut auf den Punkt bringt. Das heißt aber nicht, dass wir diese erlernte Entscheidung nicht verändern können. Dazu braucht es zunächst eine Entscheidung von dir, dass du dieses erlernte Muster des bspw. Misstrauens ablegen und verändern möchtest.

Und dann heißt es üben, üben, üben… wie immer, wenn wir über Jahre oder Jahrzehnte antrainierte Überzeugungen und Konditionierungen ablegen möchten.
Um erneut die Parallele zum beruflichen Kontext zu ziehen: vermutlich wünscht sich fast jeder eine Kultur, welche von gegenseitigem Respekt und Vertrauen geprägt ist. In der Realität sieht dies leider häufig anders aus. Viele Führungskräfte betreiben Micro Management par excellence ganz nach dem Motto "Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser." Ich bin davon überzeugt, dass das der absolut falsche Ansatz ist und nicht gerade dazu beiträgt, dass Menschen sich wohl fühlen und ihr volles Potenzial ausschöpfen können.

Um den Rahmen meines heutigen Blog Beitrags nicht zu sprengen, habe ich abschließend noch ein paar Impulse für dich, wie du dein Vertrauen stärken kannst:

  • Wenn du dich selbst reflektierst, dann beobachte mal aus der Vogelperspektive, wie viele misstrauische Gedanken du so den ganzen Tag über hast. Meist kommen diese unbewusst und im Autopilot-Modus. Indem du diesen unterbrichst und ein paar Mal tief durchatmest, hast du die Möglichkeit, dein Misstrauen zwar wahrzunehmen, aber dennoch anders zu handeln. Denn Misstrauen schützt dich nicht vor Verletzung oder Enttäuschung – eher ist das Gegenteil der Fall (so zumindest meine Überzeugung).
  • Dankbarkeit ist ein wichtiger Schlüssel für mehr Vertrauen, denn du richtest deinen Fokus auf die Dinge, die bereits gut laufen und gut sind und bist nicht im Mangel-Denken (welches eher auf Misstrauen basiert). Notiere dir also jeden Tag mindestens drei Dinge, für die du dankbar bist.
  • Und zu guter Letzt eine Frage, die ich gerne meinen Klient:innen im 1:1 Coaching stelle: was würde eine Person tun, die bedingungslos vertraut? Was hält dich davon ab, genau so zu handeln?

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